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Viterbi: 1 Algorithmus, 4470 Patente
Tag der Bananen-Union

Um den Viterbi-Algorithmus herum wurde in den frühen 90er Jahren in Deutschland ein Exempel der Software-Patentierbarkeit statuiert. Es wurde gesagt, dieser Algorithmus löse ein "technisches Problem" der Datenübertragung unter Umschiffung von störenden Einwirkungen in schwachen Leitungen und gehöre daher zu einer patentierbaren Kategorie, die man von "Datenverarbeitung als solcher" oder "reinen Geschäftsmethoden" abgrenzen könne.
Das erste Viterbi-Patent kam in den USA zur Anmeldung und zur Erteilung:

US3872432: SYNCHRONIZATION CIRCUIT FOR A VITERBI DECODER

Erfinder:
Bismarck, Otto Herbert; Fords, NJ
Rechteinhaber:
International Telephone and Telegraph Corporation, Nutley, NJ
Erteilungsdatum:
1975-03-18
Anmelungsdatum:
1974-04-10

Insgesamt gibt es inzwischen 4470 Patente und Anmeldungen auf Viterbi-Decoder und Viterbi-Algorithmus.....

Titel:
VERFAHREN ZUM VERALLGEMEINERN DES VITERBI-ALGORITHMUS UND EINRICHTUNGEN ZUR DURCHFUEHRUNG DES VERFAHRENS
erteilte Patente:
DE3910739C3

EP0391354

US 5181209

Erfinder:
Name:
Hagenauer, Joachim, Dr.-Ing; Hoeher, Peter, Dipl.-Ing.
Adresse:
DE-8031 Seefeld
Anmelder:
Deutsche Forschungsanstalt fuer Luft- und Raumfahrt eV

DE 5300 Bonn

Anspruch 1:
Verfahren zur Verallgemeinerung des Viterbi-Algorithmus, bei welchem in einer Metrik-Inkrement-Einheit (TMU) die Übergangskosten gebildet werden und in der nachgeschalteten Addier-Vergleich-Auswähl-(ACS-)Einheit ein Addieren, ein Vergleichen sowie ein Auswählen vorgenommen werden, dadurch gekennzeichnet, daß
  • für jeden Zustand die Differenzkosten von zwei eintreffenden Pfaden berechnet werden, wobei eine Zuverlässigkeitsinformation am Anfang jedes Pfades auf den höchsten Wert festgelegt wird,
  • dann der Zuverlässigkeitswert des Pfades mit den kleinsten Kosten an den Stellen aufgefrischt wird, wo die Informationsstellen von dem konkurrierenden Pfad abweichen, wobei das Auffrischen gemäß einer Tabelle vorgenommen wird und wobei der vorherige Wert der Zuverlässigkeitsinformation und die Differenzkosten als Eingangsgröße in der Tabelle angelegt werden,
  • hierauf der neue Wert aus der Tabelle entnommen wird und zusammen mit harten Entscheidungen als Pfadgedächtnis abgespeichert wird, wobei das Abspeichern in Form von Fest- oder Gleitpunkt-Werten erfolgt, und schließlich die Analogwertentscheidung aus der Stelle herausgelesen wird, die sich nach einer Entscheidungsverzögerung für den Pfad mit den kleinsten Kosten ergibt, wo bei das Vorzeichen der Analogwert-Entscheidungen die harten Entscheidungen des bekannten Viterbi-Algorithmus sind.
Aufbauend auf dem bekanten Viterbi-Algorithmus (1967) mit dem Kanal-Verzerrungen als "Sendedatenfolgen" nachgebildet und die sich ergebenden Zeitverläufe ("Pfade") mit dem tatsächlichen Signal verglichen werden, wobei der ähnlichste Verlauf als signifikantester Verlauf interpretiert wird.

Wie man sieht, weist auch der Patent-Anspruch nichts anderes auf als einen mathematischen Algorithmus und virtuelle "Tabellen", in denen Zahlen stehen.

Es gab beim DP schon 1975 eine Patentanmeldung die sich auf den Viterbi-Algorithmus stützte:

DE2515038A1:
Synchronisationsschaltung fuer einen Viterbi-Dekodierer

Diese kam aber nie zur Erteilung, weil der Patentanwalt wahrscheinlich vom Prüfungsantrag beim DP abriet -- man hätte damals mit Sicherheit NICHT erteilt.

Interessanterweise kam aber diese Patentanmeldung in den USA unter US3872432: SYNCHRONIZATION CIRCUIT FOR A VITERBI DECODER zur Erteilung.

Ähnlich auch bei Hagenauer: Sowohl US-Pat als auch EP-Pat kamen problemlos zur Erteilung:

US-Patent:
1993-01-19

US5181209

Method for generalizing the viterbi algorithm and devices for executing the method

EP-Patent:
1994-11-09

EP0391354B1

Method of generalizing the Viterbi-algorithm and apparatus to carry out the method

Nicht so die DE-Anmeldung.

Hier gab es folgendes Prüfungsverlauf:

1990-10-11OP8 + Prüfungsantrag gemäß §44 PatG
1992-05-21D2 + Erteilung
1992-10-298363 - Einspruch
1996-09-268366 + Patent mit Einschränkung bekräftigt
2002-05-238327 Patent an Fa. Samsung (KR Seoul) verkauft.

Im BPatG war dem Hörensagen nach der 21. Senat unter Richter Wilfried Anders zuständig, der sich als "fortschrittlicher" Vorkämpfer der grenzenlosen Patentierbarkeit bei der Patentanwaltschaft einen Namen gemacht hat.

Nach der vom BPatG. erfolgten Bestätigung der Etscheidung gab es in Bezug auf Viterbi-Anmeldungen weltweit KEIN HALTEN mehr. Inzwischen gibt es hunderte, ja Tausende angemeldete und erteilte Patente.

Bei diesem Fall kommt ganz klar zu Tage:

Beginnen die USA mit Patenterteilungen auf abstrakte Ideen, wächst der Druck auf das EPA, ebenfalls Patente in diesen Bereichen zu erteilen.

Erteilt das EPA Patente auf abstrakte Ideen, wächst beim Deutschen Patentamt der Druck, nachzuziehen.

GRUR schrieb erst 1996 darüber.: BPatG GRUR 1996, 866 - "Viterbi-Algorithmus"

Wolfgang Tauchert schreibt zu dieser BPatG-Entscheidung unter http://www.jurpc.de/aufsatz/20010040.htm#rfn33

Auf längere Sicht wird sich die Diskussion vom der Interpretation des Begriffs "Programm als solches" auf das Verständnis des Begriffs "Technik" und auf die Bewertung der Merkmale im Zusammenhang mit der zur erfinderischen Tätigkeit verlagern. Beispielsweise die Abgrenzung zwischen rein mathematischen Verfahren und technischen Algorithmen wird eine systematische und allgemein handhabbare Regelung erfordern. Ansätze dazu sind bereits vorhanden.

Interessant dazu auch unter http://www.innovation.co.at/IMG/TM_SOFTWARE.PDF auf Seite 37 wo es heißt:

VITERBI-Algorithmus

..zum Empfang von gestörten Kanal übertragenden Signalen..

Das Technizitäts-Erfordernis wird hier offenbar durch eine bloße Zweckangabe erfüllt.

Auch ein Computer Law Association Bulletin in Engl. gibt es dazu: http://www.cla.org/007844_10CLA_jj.pdf, s. Seite 10 (von 40)

Weniger ergibig zu diesem Thema ist der Jahresbericht des Bundespatentgerichts

Wenn Sie Fragen zum Projekt swpat haben, zögern Sie bitte nicht, sich mit Nutzer swpat-help auf Maschine ffii org in Verbindung zu setzen.

?!?Die deutsche Gerichtsentscheidung dokumentieren.
?!?Wirkungen der Viterbi-Patente dokumentieren
Forscher und Unternehmer in betroffenen Bereichen befragen.
?!?Einige Viterbi-Patente der Testsuite unterziehen
siehe Patentability Legislation Benchmarking Test Suite

Genau untersuchen, wie die Viterbi-Patente gemäß verschiedenen möglichen Patentierbarkeits-Kriterien abschneiden und ob dieses Ergebnis dem Fortschritt dienen würde.

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© 2005/01/06 (2004/08/24) Arbeitsgruppe
deutsche Version 2003/11/23 von Hartmut PILCH