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LZW-Kompression: Konjugationen patentiert
Tag der Bananen-Union

Das Kompressionsverfahren LZW ist mäßig effizient und mäßig genial. Es gibt inzwischen bessere Lösungen, manche sogar patentfrei. Aber wegen der Trägheit von De-Fakto-Standards wie GIF, ZIP, PDF usw sorgen die LZW-Patente weiterhin für viel Ärger. Es ist, als wären die Konjugationen der deutschen Sprache patentiert worden.
Ein Software-Unternehmer schrieb uns über seine schwierigkeiten mit den Unisys-Lizenzbedingungen:
I make a product called X which is a Y web server extension for dynamic image manipulation. I'd like to include GIF support in the product but its difficult to know how to do this effectively. The Unisys licensing restrictions are so severe that I wouldn't be able to offer a free trial version. Also I don't even see that I'm really responsible since I'm just providing a tool to enable others to put a solution together. It's a standard story.
Ein Unternehmer, der im wesentlichen auf dem Gebiet der Individualsoftware arbeitet, stellt fest:
Durch das LZW-Patent ist die Weiterentwicklung von im WWW-Browser ablaufenden Bedienoberflächen völlig zum Stillstandgekommen. Wenn Du komplexere "ASP"-Lösungen im Browser laufen lassen willst, kommst du in vielen Bereichen um dynamische Generierung von Grafiken nicht herum. Die Problematik der Bildformate führt im Moment dazu, daß keiner mehr in diesem Gebiet weiterentwickeln wird, obwohl man sich viele sinnvolle und schöne Lösungen vorstellen könnte.

Die Bildthematik trifft in genau diesem Kontext auch uns. Wir sitzen auf der ein oder anderen nicht gefahrlos verwertbaren Entwicklung.

Ein Unternehmer (KMU im Bereich der eingebetteten Software) schreibt: Die Anbieter der von dem LZW-Patent und ähnlichen Patenten bedrohten Software müssen stark reagieren, denn ihre Kunden fühlen die eingesetzte Software bedroht. Überall wo sich solche Unsicherheit breit macht, ziehen die Kunden es vor, Systeme einzusetzen, von denen sie vermuten, daß Sicherheit hinsichtlich der Lizenzen besteht. Mit der Zeit wird sich zeigen, daß bei keiner Software Sicherheit bezüglich der Lizenzen besteht (siehe die aktuelle JPEG-Diskussion). Deshalb werden sich die Kunden zu Anbietern hin orientieren, die von der Größe des Patentportfolios den Eindruck einer gewissen Sicherheit (Abschreckungs-Potential) bieten. Daraus erklären sich allerlei bekannte Reaktionsmuster in der Branche, die einzeln oder in Kombination auftreten können:
  1. Wer kein entsprechendes Patentportfolio hat
    • kämpft gegen den Unsinn der Software-Patente
    • übt Kritik nicht laut, um keine schlafenden Hunde zu wecken
    • sucht die Nähe (Geschäftsbeziehungen) zu Inhabern eines Patent-Portfolios, weil er sich damit deren Schutz erhofft (in der deutschen Automatisierungstechnik dürfte Siemens der Wunschpartner sein)
    • glaubt daß er schon irgendwie zu einem Patent-Portfolio kommen wird (Glaube versetzt Berge)
    • baut ein Patent-Portfolio auf
  2. Wer ein entsprechendes Patentportfolio hat
    • versucht das friedlich zu begründen ("beweist Innovationskraft")
    • versucht das als Abschreckungswaffe zu begründen
    • droht schon mal ganz allgemein, um Kritiker ruhigzustellen und/oder neue Geschäftspartner zu finden
    • kämpft für den Unsinn der Software-Patente
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© 2005/01/06 (2004/08/24) Arbeitsgruppe
deutsche Version 2003/12/18 von Hartmut PILCH