Bessen & Hunt zeigen, dass strategischer, gegen Wettbewerber gerichteter und defensiver Gebrauch von Patenten sich besonders in Softwarepatenten konzentriert, weil diese leichter zu erlangen sind (sie erfordern weder Experimente noch das Erstellen von Prototypen und noch nicht einmal die Entwicklung eines Programmes). Zugleich sind Softwarepatente breiter, da Software keinen physikalischen Beschränkungen unterliegt und daher leicht zu immer komplexeren Systemen zusammengesetzt werden kann, wobei ein solches Programm möglicherweise hunderte Patente verletzt. Dieser Gebrauch verursacht einen Aufbau von Patentportfolios vergleichbar der Aufrüstungsspirale des Kalten Krieges, der von Innovation und Wettbewerb abschreckt und der, statt Verbrauchern neue Produkte zu bringen, ihre Wahlmöglichkeiten und Teilnahme an der Informationsgesellschaft einschränkt, verbunden mit erheblichen Kosten und geringerer Produktivität in den Unternehmen.
The original research paper
- James Bessen (Research on Innovation und MIT) und Robert M. Hunt (Federal Reserve Bank of Philadelphia) legen in einer im Mai 2003 veröffentlichten Studie umfassende statistische Daten und Analysen vor, in denen sie ihre Hypothese untermauern, dass Softwarepatente FuE-Investitionen eher ersetzen als fördern. Softwarepatente dienen als billige Alternative zu echter Innovation.
Bessen & Maskin 2000: Sequentielle Innovation
- Forschungspapier der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät des Massachusetts Institute of Technology. Die beiden Autoren stellen fest, dass die amerikanische Softwarepatentierungspraxis zumindest zu keinem merklichen Anstieg der Innovation oder der Forschungsinvestitionen in den letzten Jahren geführt hat und erklären ihre Feststellungen mit einem mathematischen Modell der "sequentiellen Innovation". Mit diesem Modell lässt sich nachrechnen, dass im Bereich der Information, der Software, der Beratungsdienste u.a. die technische Entwicklung schneller voranschreitet, wenn keine harten "gewerblichen Schutzrechte" gewährt werden. Das Urheberrecht hingegen erlaubt im MIT-Berechnungsmodell eine nahezu optimale Balance der verschiedenen, z.T. zueinander gegenläufigen Faktoren, von denen der technische Fortschritt bestimmt wird.