Das World Wide Web Consortium (W3C) hat in einem Diskussionspapier die Schwierigkeiten erklärt, denen es sich in einem Umfeld zunehmender Patentierung von grundlegenden Rechenaufgaben und -lösungen ausgesetzt sieht. Um Patentinhaber dazu zu motivieren, bei der Standardisierung zu kooperieren, schlägt das W3C vor, dass "weniger grundlegende" Standards auch gebührenpflichtig sein dürfen. Eine solche Politik könnte die Mitarbeit am W3C zu einer lukrativen Angelegenheit für große Firmen machen und insoweit die Stellung des W3C stärken. Andererseits droht aber der Ausschluss freier/quelloffener Software, die Verlangsamung der Dynamik des WWW, die Entstehung von Gräben und Schismen um proprietäre Standards und letztlich auch ein Autoritätsverlust des W3C. Das W3C-Papier geht nur von der Situation in den USA aus und übersieht, dass der Kampf um die Patentierbarkeit von Software bei weitem nicht zu Ende ist. Es wäre voreilig, sich jetzt "mit der Realität zu arrangieren". Wie die lebhaften Diskussionen über den W3C-Vorschlag zeigen, neigen die meisten angesehenen Programmierer zu der Auffassung, das W3C solle am Prinzip der gebührenfreien Standards auch dann festhalten, wenn dies mit gewissen Unannehmlichkeiten verbunden ist. Bevor an faule Kompromisse gedacht wird, sollte das W3C das ganze Potential seiner Mitglieder und Unterstützer mobilisieren, um freie Standards gegen Patentangriffe durchzusetzen.