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Dr. Heiner Flocke, Vorsitzender des Patentverein e.V., stellt fest:
![]() | Sascha Frick, Geschäftsführer der Empros GmbH, eines Schweizer Spezialisten für Software im Bereich der Industrie-Automation, berichtet von seiner Erfahrung mit Patenten bei einem Großprojekt zur Entwicklung einer neuen Generation von Maschinensteuerungssoftware: |
Besonders heftig umkämpft ist die Frage, ob Software-Lösungen, im Jargon des Europäischen Patentamtes seit 2000 auch "computer-implementierte Erfindungen" genannt, patentierbar sein sollen.
![]() | Dr. Thomas Wünsche, Inhaber und Geschaeftsführer von EMS Dr. Thomas Wünsche, eines Unternehmens fuer Automatisierungstechnik und industrielle Kommunikation, erklärt hierzu: |
Was wir fuer unsere Innovationsfähigkeit brauchen, sind Schutzrechte mit geringem Verwaltungsoverhead wie das Copyright. Patente auf Software treiben den Verwaltungsaufwand nach oben, schaffen zusätzliche Rechtsunsicherheit und laufen damit unserer Innovationsfähigkeit diametral entgegen. Die anstehenden Risiken durch Softwarepatente haben bereits jetzt dazu geführt, dass wir Ausbildungsplätze nicht wie in den Vorjahren besetzen, um Kapazität fuer Umgestaltungen zur Risikoreduktion freizuschaufeln. Wir wuerden allerdings lieber ausbilden als uns mit Softwarepatenten und daraus resultierenden Risiken zu beschäftigen.
Der Richtlinienentwurf des Europäischen Parlaments vom September 2003 stellt nicht sicher, dass wir in unserer Innovationsfähigkeit zukünftig nicht von Patenten eingeschränkt werden, aber er verhindert die schlimmsten Auswüchse. Technische Erfindungen wie das vielzitierte Antiblockiersystem wären auch unter der Parlamentsrichtlinie grundsätzlich patentierbar, wobei sich der Schutzumfang allerdings auf den Umgang mit den Naturkräften an der Peripherie der Datenverarbeitungsanlage beschränkt. Wenn der Entwurf des Ministerrats durchgeht, wird hingegen nahezu jeder Verfahrensablauf patentierbar, und schon seine Beschreibung in Form eines Computerprogramms wird zur Patentverletzung. Das würde uns eine Situation wie in den USA bringen, wo Konzerne kleinere Wettbewerber mit der Masse eines Portfolios weitgehend trivialer Patente erdrücken und produktlose Abkassierer ihr Heil in Patentverletzungsklagen suchen.
Bisherige Studien und Umfragen des Berliner Wirtschaftsministeriums bestätigen, dass Wünsche mit seiner Einschätzung nicht alleine ist. Deutsche KMUs wollen keine Softwarepatente: Auf einer Skala der Umfrage des Bundeswirtschaftsministeriums von -3 bis +3 siedeln 1214 deutsche Unternehmen auf die Frage "Haben Softwarepatente beinträchtigende oder unterstützende Auswirkungen auf Ihre Programmiertätigkeit oder erwarten Sie solche?" im Schnitt bei -2,58 an. Eine frühere Umfrage belegt, dass in der "Sekundärbranche" (d.h. programmierenden Unternehmen der klassischen Industrien) das Interesse an Softwarepatenten ähnlich gering ist wie in der "Primärbranche".
Hartmut Pilch, Vorsitzender des FFII e.V., der 1400 Unternehmen in dieser Frage vertritt, erklärt:
Das Europäische Parlament hat in seiner ersten Lesung einige wichtige Einschränkungen vorgeschlagen, die das schlimmste verhindern. Konzerne wie Siemens wollen aber nichts verhindern. Sie wollen ihr Patent-Monopoly-Spiel auf den gesamten Bereich ausdehnen, der im Zuge der Digitalisierung in ihr Visier gerät. Eigentlich ist der Computer eine Maschine zur Vereinfachung des Erfindens. Auch Siemens löst gerne Probleme auf Software-Ebene, weil das so einfach und bequem ist. Aber zugleich möchten sie weiter patentieren, und zwar auch dort, wo es nichts mehr zu patentieren gibt. Zu diesem Zweck verbreiten die Patentanwälte von Siemens, Volvo und anderen Konzernen Desinformationen über die Standpunkte des Ministerrats und des Parlaments. Sie tun so, als vertrete der Ministerrat das, was in Wirklichkeit das Parlament vertritt. Denn sie wissen, dass bei den meisten Unternehmen nur die Position des Parlaments Zustimmung findet.
Auf dem Stand des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) auf der Hannover Messe Industrie in Halle 2 Stand D 15/2 liegt Informationmaterial (Plakat und Flyer) aus, welches auf gravierende Nachteile von Softwarepatenten für die mittelständische Wirtschaft hinweist. Der Zentralverband für die Elektronische Industrie (BVMW) hingegen veranstaltet an seinem Stand am Dienstag nachmittag eine Pressekonferenz mit Botschaften im Sinne der Siemens-Position.
http://www.bmwa.bund.de/Navigation/Service/bestellservice,did=21760.html