Insbesondere bedauert Tacke, dass die vom Bitkom beanstandete Wortwahl ("Softwarepatente" statt "computer-implementierte Erfindungen" zu dem falschen Eindruck Anlass gegeben haben könnte, dass für die Bundesregierung die Frage der Patentierbarkeit von Software noch offen sei.
Tacke schreibt mit Datum 2004-08-25:
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 22. Juli 2004. Ich bedaure, wennn die Umfrage zur Wechselbeziehung zwischen Interoperabilität, Patentschutz und Wettbwerb zu Missverständnissen und Irritationen über die grundlegende Position der Bundesregierung zum Richtlinienentwurf über die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen geführt hat.
Diese Umfrage ist Teil einer Studie, mit der ausschließlich die Wechselbeziehungen zwischen Interoperabilität, Patentschutz und Wettbewerb untersucht werden sollen. Keinesfalls soll diese Umfrage, wie es die bedauerlicherweise in Teilen recht unglückliche Wortwahl suggeriert, zu einer Neuauflage der Diskussion über die Patentierbarkeit von computerimplementierten Erfindungen insgesamt führen. Es ist schon jetzt absehbar, dass die Fragebogenaktion keine Resultate bringen wird, die den Anforderungen an wissenschaftlich fundierte Ergebnisse gerecht werden. Dies liegt auch daran, dass es -- nicht zuletzt wegen der Kürze der Erhebungszeit -- vielen Unternehmen nicht möglich war, den Fragebogen zu beantworten.
Ich hoffe, Ihre Bedenken damit ausgeräumt zu haben.
Bisher vom BWMA in Auftrag gegebene Studien belegten, dass die Softwarebranche zur Belohnung/Stimulierung ihrer Investitionstätigkeit keine Patente braucht. Dennoch empfahlen diese Studien in dem von Politikern gelesenen kurzen Zusammenfassungsteil, die Regierung möge den Patentämtern geben, was sie verlangen.
Eine vom BMWA in Auftrag gegebene [Studie des Infratest-Instituts vom April 2004 http:Bmwa0404De] fordert ebenfalls die "Ermöglichung der Patentierung computer-implementierter Erfindungen", ohne jedoch in ihrem Hauptteil überhaupt Untersuchungen zum Thema Patente oder gewerblicher Rechtschutz anzustellen.
Die Arbeit des BMWA zu Softwarepatenten wird im wesentlichen nicht von Alfred Tacke sondern vom Leiter des Patentreferats des Ministeriums, NB, geleitet. Wir wissen nicht, in wie weit Tacke selber hinter dem Brief an Bitkom steht.
Bitkom hatte Anfang August vom BMWA gefordert, seine Untersuchung zu Softwarepatenten zu stoppen, da darin der "irreführende" Begriff "Softwarepatente" gebraucht wird. Die Entscheidung hierzu war von dem Vorsitzenden des "Arbeitskreises für Geistiges Eigentum" des Bitkom, IBM-Patentanwalt Fritz Teufel, getroffen worden. Bislang leitet Teufel, gestützt von den 5-10 Großkonzern-Patentanwälten, die regelmäßig an seinen Arbeitskreissitzungen teilnehmen, weitgehend unangefochten die Arbeit des Bitkom zu Patentfragen. Seine Entscheidung, die Bundesregierung öffentlich zu kritisieren, führte jedoch zum Überkochen der Unruhe innerhalb des Vereins. Nach Erhalt zahlreicher Protestschreiben beauftragte Rohleder Teufels Arbeitskreis, den Bitkom-Standpunkt zu überarbeiten. Das Schreiben von Alfred Tacke dürfte nun dazu beitragen, den Druck von Teufel wegzunehmen.
Laut neuesten Zeitungsberichten verlässt Tacke gerade seinen Posten, um zu seinem früheren Minister Werner Müller in die Energiewirtschaft überzuwechseln.
Aus dem Schreiben von Tacke ist u.a. folgendes zu schließen
siehe auch http://kwiki.ffii.org/AlfredTackeDe
siehe auch Wirtschaftsministerium distanziert sich von eigener Umfrage und http://kwiki.ffii.org/AlfredTackeDe