[EN English] [FR Francais] [Übersetzungsvorlage] [Wie helfen?] [Papierfassung] [Addenda]
noEPatents 03-06-22JURI 03-06-17EP 03-09-29EP 03-10-01Consilium 03-10-23

Parlament nimmt Petitionen gegen Softwarepatente an
2003/10/01
Zur sofortigen Freigabe

Bei der Anhörung des Petitionsausschusses im Parlament gestern abend um 18:00 Uhr ersuchte Anthony Howard, ein früherer Angestellter der britischen Patentbehörde, der mit dem Softwarepatent-Richtlinienprojekt der DG Binnenmarkt unter Frits Bolkestein bei der Europäischen Kommission befasst ist, das Parlament darum, die beiden vorgestellten Petitionen gegen Softwarepatente, die von einer Viertelmillion europäischer Bürger unterzeichnet worden sind, abzuweisen. Sehr wenige MdEPs nahmen an der abendlichen Sitzung teil, und unter denen, die teilnahmen, waren bekannte Softwarepatent-Hardliner des Rechtsausschusses (JURI), die Howards Aufruf aggressiv unterstützten. Allerdings folgte der Petitionsausschuss ihren Aufrufen nicht. Die Annahme der Petitionen bedeutet, dass der Rechtsausschuss, welcher im Juni 2003 gegen jede echte Begrenzung der Patentierbarkeit plädierte und am 24. September von der Vollversammlung überstimmt wurde, eine weitere Gelegenheit erhält, seine Position zu erläutern.
Zufälligerweise debattierte der Petitionsausschuss gestern die zwei Petitionen über die Patentierbarkeit von Software, weniger als eine Woche nach der Abstimmung in erster Lesung des Richtlinienvorschlags. Diese zwei Petitionen sind:

Zunächst wurde die europäische Kommission aufgefordert, ihre Bemerkungen abzugeben. Ihr Sprecher war Anthony Howard, der Verantwortliche für den Entwurf des Richtlinienvorschlags in der zuständigen Abteilung der DG Binnenmarkt. Es war ihm sichtlich unangenehm, er machte keine Bemerkungen zur Sache und ersuchte den Ausschuss, beide Petitionen für unzulässig zu erklären, weil sie in einen laufenden Gesetzgebungsprozess eingreifen würden.

Dann wurden den Repräsentanten der Petitionäre je fünf Minuten gegeben, um ihre Sichtweise darzulegen. Bernard Lang vertrat Eurolinux, und Philippe Aigrain sprach für die Wissenschaftler.

Beide Redner dankten dem Parlament für dessen Entscheidung und betonten die Wichtigkeit, deren Zielrichtung und Konsistenz in den nächsten Schritten des Gesetzgebungsverfahrens zu wahren.

Daraufhin wurden die Mitglieder des europäischen Parlaments (MdEPs) zur Debatte aufgefordert. Willi Rothley (PSE-DE) intervenierte mit überraschender Aggressivität. Da Bernard Lang erwähnt hatte, dass die Petitionäre angesichts der Abstimmung stolz auf die europäische Demokratie gewesen wären, warnte Herr Rothley davor, dass nach Hochstimmungen der Katzenjammer komme, und dass die zweite Lesung ganz anders ausfallen könne. Auch er bat den Ausschuss, die Petitionen für ungültig zu erklären. Herr Rothley ist Vizepräsident des JURI-Komitees und kein Mitglied des Petitionsausschusses, aber alle MdEPs sind eingeladen, an Versammlungen teilzunehmen und Ansichten über Gegenstände ihres Interesses auszudrücken.

Frau Janelly Fourtou (PPE-FR) hielt auf gleicher Linie dagegen. Auch sie plädierte dafür, die Petitionen als unzulässig zu erachten.

Jan Dhaene (Grüne, Belgien) und Marco Cappato (Unabhängige, Italien) sprachen sich für die Petitionen aus und sagten, nicht nur seien sie zulässig, sondern der Petitionsausschuss sollte sich ihrer selber annehmen, da Bürger und Entwickler sehr wahrscheinlich unter der mißbräuchlichen Vergabe von Softwarepatenten durch das EPA zu leiden haben würden.

Der Vorsitzende der Versammlung erklärte ohne jeglichen Zweifel, dass die Petitionen zulässig seien, da das Recht, über eine gerade in der Gesetzgebung befindliche Angelegenheit zu petitionieren, vom EU-Vertrag anerkannt wird. Er entschied außerdem, dass, weil es sich um eine gesetzgeberische Angelegenheit handele und es die klare Absicht der Petitionäre sei, sich in diese Debatte einzuschalten, es nicht am Petitionsausschuss sei, die Sachdebatte zu führen, sondern die Petition einfach an den für diese Sachfragen zuständigen Ausschuss übergeben werde, in diesem Fall JURI.

E-Post:
media at ffii org
Telefon:
FFII München (Deutsch, Englisch und Französisch): 0049/89/18979927

Benjamin Henrion (Französisch und Englisch): 0032/498/292771 oder 0032/10/454779

Jonas Maebe (Niederländisch und Englisch): +32-485-36-96-45

Dieter Van Uytvanck (Niederländisch und Englisch): +32-499-16-70-10

Erik Josefsson (Schwedisch und Englisch): +46-707-696567

Alex Macfie (Englisch): +44 7901 751753

Joaquim Carvalho (Portugiesisch und Englisch): +35-1-93-6169633

Weitere Ansprechpartner werden auf Nachfrage genannt

Der FFII ist ein in München eingetragener gemeinnütziger Verein für Volksbildung im Bereich der Datenverarbeitung. Der FFII unterstützt die Entwicklung öffentlicher Informationsgüter auf grundlage des Urheberrechts, freien Wettbewerbs und offener Standards. Über 300 Mitglieder, 700 Firmen und 50.000 Unterstützer haben den FFII mit der Vertretung ihre Interessen im Bereich der Gesetzgebung zu Software-Eigentumsrechten beauftragt.
Das Eurolinux Bündnis für eine Freie Informationelle Infrastruktur ist eine offene Koalition von Firmen und Verbänden, die gemeinsam eine auf dem Urheberrecht, offenen Standards, freiem Wettbewerb und quelloffener Software wie Linux aufbauende kraftvolle europäische Softwarekultur fördern und schützen wollen. Firmenmitglieder und Förderer von EuroLinux entwickeln oder verkaufen Software für Betriebsssysteme wie GNU/Linux, MacOS oder MSWindows unter freien, halb-freien oder proprietären Lizenzbestimmungen.
http://swpat.ffii.org/log/03/peti1001/index.de.html
[ Abstimmung in 8 Tagen: 2000 IT-Arbeitgeber fordern das Europäische Parlament auf, NEIN zu Software-Patenten zu sagen | JURI stimmt für Scheinbegrenzung der Patentierbarkeit | Petitions-Initiatoren danken dem Europäischen Parlament | Parlament nimmt Petitionen gegen Softwarepatente an | Treffen der Patent-Arbeitsgruppe des EU-Ministerrates ]
Gültiges HTML 4.01!
http://swpat.ffii.org/log/03/peti1001/index.de.html
© 2003/12/10 (2003/10/01) Arbeitsgruppe
deutsche Version 2003/12/10 von Christian Cornelsson