Logikpatente > Briefe > BVMW 04/07/05
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| ZDF 04/07/31 | BVMW 04/07/05 | OFE 03/04 | 2002/05 an Bitkom | Nokia 03/11/07 | EPA 03/11 |
am Vortag Ihres Besuches der Münchner Veranstaltung "Innovation und Geistiges Eigentum" möchten wir vor "Patentkinschen Dörfern" warnen, die bei gefälligen Veranstaltungen den Blick auf die Wirklichkeit verstellen können. Den Grundgedanken von Patenten, geistiges Eigentum zu schützen und Innovation zu fördern, teilen wir uneingeschränkt. Von dieser Idealvorstellung hat sich das Patentwesen in Europa und anderen Teilen der Welt jedoch immer weiter entfernt. Inzwischen besteht dringender Bedarf für eine Reform und Selbstdisziplin im Patentwesen.
Der deutsche Mittelstand braucht nicht nur den Schutz durch Patente, sondern immer mehr den Schutz vor Patenten. Manche Patente werden taktisch und zum Schaden der Wirtschaft für die Blockade ganzer Marktsegmente, aber auch von produktlosen Profiteuren für eine legalisierte Erpressung missbraucht.
Was Patente ihrem Besitzer geben, wird der Allgemeinheit genommen. Mit solch einem zweischneidigen Schwert muss vorsichtig hantiert werden. Solange die Innovationskraft von Staaten und Unternehmen in der Quantität und nicht der Qualität ihrer Patente gemessen wird, sind Fehlentwicklungen programmiert.
Viele Patente dienen längst nicht mehr dazu, Innovationen zu schützen und zu belohnen, sondern sie zu behindern und zu bestrafen. Kapitalmacht schafft Recht, und der Mittelstand resigniert vor der Drohkulisse einer Patent-Sintflut.
Patente dürfen kein Selbstzweck sein. Unser Land braucht Wachstum und Arbeitsplätze in der produzierenden Wirtschaft mehr als in Patentbehörden und Anwaltskanzleien. Das Patentwesen muss auf den Prüfstand gestellt und aus Bereichen herausgehalten werden, in denen es der Allgemeinheit mehr Schaden als Nutzen bringt.
Wenn selbst mathematische Logik und Geschäftsabläufe unter pseudotechnischen Vorwänden patentierbar werden und wenn die Entwicklung von Computersoftware in Zukunft nur noch in den Händen einiger weniger Konzerne liegen soll, so belastet dies die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft. Wir bitten Sie deshalb, in der Frage der "computer-implementierten Erfindungen" die Position des Europaparlaments vom September 2003 zu unterstützen, welche die Patentierung reiner Programmlogik wirkungsvoll ausschließen würde.
Wir würden uns wünschen, dass Sie auch die negativ Betroffenen und die konstruktiven Kritiker des Patentwesens anhören. Einige weitere Informationen zu den angesprochenen Problemen befinden sich auf den Internetseiten unserer Organisationen (www.ffii.org, www.patentverein.de und www.bvmw.de).
Mit freundlichen Grüßen gez.
Ich bin mit Ihnen einer Meinung, dass Patente für das wirtschaftliche Wohlergehen unseres Landes eine ganz wesentliche Bedeutung haben. Sie bieten gerade für die mittelstandsgeprägte deutsche Wirtschaft die Möglichkeit, Innovationen zu schützen und dadurch neue Arbeitsplätze zu schaffen und bestehende Arbeitsplätze zu sichern. Ich stimme mit Ihnen auch darin überein, dass allein die Anzahl der erteilten Patente keine abschließende Aussage über die Innovationskraft eines Landes zulässt. Jedoch kann ganz allgemein festgestellt werden, dass die drei patentaktivsten Staaten der Welt -- USA, Japan und Deutschland -- nicht nur wirtschaftlich führend sind, sondern auch hinsichtlich der Innovationskraft die vordersten Plätze belegen.
Sie haben auch Recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass bei allem positiven Einfluss des Patentwesens auf die Stimulierung von Erfindungen und die Verbreitung von technischem Wissen mögliche Überdehnungen des Schutzsystems verhindert werden müssen. Im Rahmen der aktuellen Diskussion um die geplante Richtlinie zur Patentierbarkeit computer-implementierter Erfindungen haben wir uns deshalb immer für eine deutliche Begrenzung der Patentierungsmöglichkeiten eingesetzt. So soll z.B. die Patentierung von Geschäftsmethoden -- anders als in den USA -- ausdrücklich ausgeschlossen bleiben.
Gleichzeitig befinden wir uns mit Ihnen wie auch mit anderen Kritikern der Richtlinie von Beginn der Beratungen an in einem intensiven Dialog, der insbesondere bei den Expertengesprächen und zuletzt auch bei dem von mir initiierten "Runden Tisch" geführt wurde. Ich kann Ihnen versichern, dass sich die Bundesregierung auch in Zukunft um Transparenz bemühen und den offenen Dialog suchen wird. Ich möchte Sie deshalb ermuntern, Ihre sachliche Kritik auch in Zukunft in die Diskussion einzubringen, damit wir möglichen Fehlentwicklungen frühzeitig entgegentreten können.
Dazu schon jetzt ein wichtiger Hinweis: Am 21. Oktober 2004 wird im Rahmen der von mir ins Leben gerufenen Reihe "Geistiges Eigentum im Gespräch" eine öffentliche Fachdiskussion zum Thema "Schutz computer-implementierter Erfindungen -- Wie geht es weiter?" stattfinden, zu der ich Sie schon jetzt recht herzlich einladen möchte. Eine förmliche Einladung mit den näheren Details erfolgt in Kürze.
Mit freundlichen Grüßen