Eine Allokation (Verteilung von Gütern auf die Teilnehmer der Ökonomie) heisst effizient, wenn es keine mögliche Reallokation der Produktionsprozesse sowie der anfänglichen Besitzverhältnisse gibt, sodass jederman besser gestellt wird. Salopp ausgedrückt kann man sagen, das eine Situation ineffizient ist, wenn der Kuchen, den es zu verteilen gilt, nicht so gross ist, wie er sein könnte. Die Stärke dieses Konzeptes liegt darin, dass auf die Verteilung der Güter nicht eingegangen wird. Somit wird jeder --- unabhängig von seiner moralischen, ethischen, ideologischen Überzeugung --- übereinstimmen, dass eine ineffiziente Situation schlecht ist.
In diesem Sinn ist ein Monopol ineffizient (schlecht), nicht etwa weil die Konsumenten viel bezahlen müssen, sondern weil es typischerweise in Monopolsituationen das Potential für zusätzliche Tauschgeschäfte gibt, deren Durchführung sowohl im Interesse des Produzenten wie auch der Konsumenten wäre (allerdings nicht zum Monopolpreis).
Immaterielle Güter wie Wissen zeichnen sich dadurch aus, dass sie --- im Gegensatz zu materiellen Gütern --- beliebig und kostenlos reproduzierbar sind. Des weiteren beeinflusst der Konsum von Wissen durch eine Person keineswegs die Möglichkeiten einer anderen Person, dieses Wissen auch zu konsumieren (wiederum im Gegensatz zu materiellen Gütern). Wenn Wissen schon vorhanden ist (nicht aufwändig produziert werden muss), spricht ökonomisch gesehen absolut nichts für ein Besitzrecht an Wissen (vermittels dessen Leute vom Konsum ausgeschlossen werden können). Die einzig effiziente Situation ist die, in der das Wissen zu den Reproduktionskosten von Null beliebig reproduziert wird, und von allen Teilnehmern der Ökonomie konsumiert wird.
Diese Betrachtungsweise ändert sich, wenn man die kostenträchtige Produktion von Wissen mit in Betracht zieht. Ohne institutionelle Rahmenbedingungen wird ein Individuum nur insoweit Aufwand betreiben, um Wissen zu erzeugen, wie er durch seinen eigenen Konsum rechtfertigen kann. Dies führt zu einer ineffizient niedrigen Produktion von Wissen.
Das relevante ökonomische Problem ist es nun, Mechanismen (bspw. in Form von Patenten) zu finden, die effiziente Anreize an die Produktion stellen. Dies wäre kein Problem in einer Welt, in der man die Produktionskosten und Konsumnutzen der Leute kennt (die Gesellschaft würde den billigsten Produzenten anordnen, die effiziente Menge von Wissen zu produzieren und ihn entsprechend seiner Kosten renumerieren). Da diese Informationen typischerweise nicht vorhanden sind, benutzt man in der Praxis Mechanismen wie Patente.
Ein Patent ist also aus Sicht der Ökonomie ein mehr oder weniger notwendiges Übel, bei dem ein ineffizientes Monopol benutzt wird, um Produktionsanreize zu setzen.
Diese oben angedeutete, simpelste ökonomische Motivation von Patenten wird oft als statisches Modell bezeichnet. Die Frage nach Effizienzeigenschaften verschiedener Ausgestaltungsmöglichkeiten von Patenten (Dauer, Novitäts-an-for-derungen, etc.) wird typischerweise in komplizierteren Szenarien untersucht. Dabei werden auch dynamische Aspekte des Wettbewerbs sowie der Marktstruktur in die Betrachtung miteinbezogen. Es ist dabei zu beachten, dass scheinbar offensichtliche Erkenntnisse aus dem statischen Modell, wie bspw. ``eine Verstärkung des Patentschutzes führt zu vermehrtem Forschungsaufwand'', in etwas reicheren Modellen keineswegs zwingend sind. Dies wird oft von undifferenzierten Befürwortern eines möglichst starken Schutzes geistigen Eigentums geflissentlich übersehen.
OS Entwickler benutzen zur Kommunikation/Koordination hauptsächlich das Internet. Die Arbeitsweise erinnert in Teilkomponenten an die akademische Produktion von Wissen (peer review, Reputation, Gruppensanktionen bei nicht normkonformen Verhalten).
Für weiterführende Literatur wird auf citet{Raymond,LernerTirole2000, Bessen2001} verwiesen.
Bezugnehmend auf die individuellen Anreize zur Bereitstellung von OS Software ist es sehr wahrscheinlich, dass die patentinduzierten Kosten die individuelle Motivation übersteigen. An dieser Stelle sei nochmals betont, dass der Softwaremarkt ein Markt mit extrem geringen Eintrittsschranken darstellt (man nehme einen Studenten, einen alten PC und einen Internetanschluss). Wie das Beispiel IPIX im nächsten Abschnitt zeigt, dürften bereits Kosten, die normalerweise betriebswirtschaftlich als vernachlässigbar angesehen werden, ausreichen, um Entwickler vom Anbieten von OS Software abzuhalten.
Ein weiterer kritischer Punkt in diesem Kontext ist die kooperative, dezentrale Art der Entwicklung. Das Risiko, dass der Beitrag eines anderen Entwicklers eine Patentverletzung enthält, vermindert den (Nutz)wert des gesamten OS Projekts, und senkt damit die Beitragsanreize des einzelnen Entwicklers.
Softwarepatentierung würde auch eine starke Asymmetrie der Ausgangslage bei Verhandlungen zwischen OS Softwarefirmen und den Herstellern geschlossener Produkte erzeugen. Durch die systembedingte Quellcodeoffenheit von OS Software ist es für einen Konkurrenten relativ einfach, Patentverletzungen bei OS Software aufzuspüren und nachzuweisen. Umgekehrt sind Patentverletzungen bei geschlossener Software schwieriger nachzuweisen.
Im vorangehenden Abschnitt wurde argumentiert, dass der Aufwand für Patentrechtsstreitigkeiten die Möglichkeiten vieler OS Entwickler übersteigt. Als illustratives Beispiel dient das kürzliche Vorgehen der Internet Pictures Corporation (iPIX) gegen den deutschen Mathematikprofessor Helmut Dersch.
Professor Dersch entwickelte frei zugängliche Programme, die Bilder zu Panoramaansichten zusammenfügen. Siehe auch http://www.heise.de/newsticker/data/daa-07.06.01-002/. Schon die blosse Ankündigung eines rechtlichen Vorgehens gegen ihn (auf Basis von US-Patenten, die in Deutschland nicht rechtskräftig sind) reichte aus, um Professor Dersch zur Aufgabe seines Web-Angebotes zu bewegen (nach eigener Aussage verfügt Professor Dersch über "weder das Geld, noch die Zeit oder die Nerven, dagegen vorzugehen"). Es gibt ähnliche Fälle, bspw. im Bereich von Open Source Audio CODECs.
Selbst dann, wenn der Entwicklung von OS Projekten nicht unerhebliche finanzielle Ressourcen zugrundeliegen, besteht bei der strategischen Verwendung von Patentverletzungsklagen immer noch eine starke Asymmetrie zuungunsten von OS. Wie in Punkt 3.3 beschrieben, ist es dank der Quellcodeeinsicht einfacher, die Patentverletzung bei einem Open Source Projekt festzustellen, als bei einem klassischen Softwareprodukt. Die bislang beobachtbaren kooperativen Gleichgewichte, in denen die Parteien eine Kreuzlizenzierung ihrer Patentportfolios durchführen, sind im Kontext von OS Produkten und Softwarepatenten nur schlecht vorstellbar.
Diese Probleme könnten notfalls gemindert werden, indem Veröffentlichung, Inverkehrbringung, und Ausführung von Open Source Software keine Patentverletzung darstellen.
Selbst in der überraschend patentfreundlichen Auftragsstudie des Intellectual Property Institute (IPI) von HartHolmesReid2000 wird vermerkt, dass Europäische KMUs wenig von Patentrecht Gebrauch machen.
Das UK Economic and Social Research Council sponserte eine grossangelegte (1.2 Millionen Pfund) Serie von Auftragsstudien zum Thema von Intellectual Property Rights. Die Zusammenfassung der Forschungsergebnisse ist unter http://info.sm.umist.ac.uk/esrcip/backgroud.htm finden. Die Ergebnisse dieser Studie flossen zusammen mit anderen empirischen Untersuchungen in den Abschlussbericht der Auftragsstudie der Europäischen Kommisision "Patent Protection of Computer Programmes" von TangAdamsPare2001 ein.
Hieraus seien die wesentlichen Punkte der Executive Summary, Seiten 5-6, zitiert:
The main conclusions from these research projects also reflected, in the main, the general findings of European and U.S. studies. Significantly, SMEs
- rely, generally, on copyright for their digital literary works including software;
- patent less, as they find the system complicated, expensive and do not view patents as conferring any particular advantage for their software-based products;
- argue that the lack of resources of SMEs make it difficult for them to defend patents, and would in all likelihood, lose if challenged by corporate players;
- do not particularly use patent information for their innovation;
- employ, in addition to copyright, several informal methods of protection, particularly technical systems, such as encryption and passwords, and defer to trust (arising from networks and close customer/supplier relationships); market niche (the smaller the market, the easier it would be to detect infringement); first mover advantage (being first to market); and secrecy as effective methods of protection;
- feel that amendments to and tampering with IP law, for instance, copyright and patent, will increasingly make it more difficult for SMEs to cope with developments, which in turn, may not have any tangible effect on them because of their inability to keep up with them;
- contend that while appropriation of IP is important to them, their main concerns in general are developing the product and getting it to market in the shortest possible time. This concern emanates from the twin pressures of: (a) rapid developments in software and electronic publications; and (b) speedy obsolescence of these products;
Wie in 1.1 angedeutet, gibt es eine umfangreiche theoretische, ökonomische Literatur zu Patenten. Als Referenz diene hier nochmals HartHolmesReid2000 sowie deren Zusammenfassung in Fussnote 3. Währendem die theoretische Literatur naturgemäss wenig geeignet ist, in einem bestimmten Sektor zwischen einem starken oder weniger starken Schutzrecht zu differenzieren, hinterlassen die Erkentnisse der theoretischen Modelle Zweifel an der Effizienz starker Schutzrechte (insbesondere seinen hier auf Netzwerkeffekte, sowie Marktzutrittsschranken durch blockierende Patente hingewiesen).
Wie schon einige Male angedeutet, ist der Softwaremarkt ein Markt mit extrem geringen Zutrittskosten. In diesem Fall führen schon kleine Transaktionskosten (die typischerweise in theoretischen Modellen nicht thematisiert werden) zu drastischen Änderungen des Marktzutrittes.
In dem theoretischen Teil ihrer Arbeit illustrieren BessenMaskin2000, im Kontext von sequentiellen Innovationen, dass Komplementaritäten zwischen Produkten zusammen mit der Annahme der Dissipation von Renten durch Wettbewerb auf dem Produktmarkt, die Intuition des statischen Modells in 1.1 auf den Kopf drehen kann: Patente können zu geringerer Innovation führen als im Fall ohne Patente.
Im empirischen Teil ihrer Arbeit präsentieren BessenMaskin2000 Beobachtungen, die die Relevanz der Effekte ihres dynamischen Modells untermauern und im Kontrast zur "mehr Schutz ist besser-Mentalität" stehen. Sie betrachten(unter anderem) folgende Punkte:
Der klassische Weg der Förderung der Infrastruktur (bspw. Breitbandinternet) sowie der Ausbildungsförderung sind vorzuziehen.
Die bisherige Unsicherheit bezüglich der Rechtsbeständigkeit von Softwarepatenten legt die Vermutung nahe, das Softwarepatente in der Vergangenheit nicht mit dem Ziel angemeldet/erworben wurden, Forschungsausgaben durch Lizenzgebühren oder Monopolrenten zurückzugewinnen. Patente wurden bislang eher für defensive Zwecke vorgesehen. Deshalb ist eine übermäßig negative Auswirkung des Wertverfalls bestehender Patente auf die Rentabilität damit verbundener Projekte nicht zu erwarten.