| bund.de 2002-08 | München 2000/11 | 5 Initiativen | Basisvorschlag 2000/08 |
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Computerprogramme sind auch künftig laut Gesetzeslage nicht patentierbar. Es ist gelungen, das Patentwesen in einem Punkt vorübergehend politisch zu kontrollieren. Dieser Erfolg ist nicht zuletzt Ihrer Unterstützung zu verdanken.
Doch die Expansionsbestrebungen der Patentbewegung und ihrer Verbündeten in diversen Großunternehmen, Verbänden und Regierungsgremien gehen weiter. Ihre Unterstützung brauchen wir nun mehr denn je. Wir bitten Sie, gemeinsam mit uns auf nationaler und europäischer Ebene folgende Gesetzesinitiativen auf den Weg zu bringen:
(7) das Herstellen, Anbieten, Inverkehrbringen, Besitzen oder Einführen von Urheberrechtsgegenständen aller Art, insbesondere Gebrauchsanweisungen und Programmen für Datenverarbeitungsanlagen. (8) das Ausführen von Programmen auf einer Datenverarbeitungsanlage. [Die Rechtsverhältnisse beim Einsatz eines programmgesteuerten Verfahrens zur gewerblichen Herstellung materieller Güter bleiben davon unberührt.]
Ferner wäre das Recht auf Veröffentlichung von selbst erarbeiteten Informationswerken als eine Konsequenz der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit auf Verfassungsebene zu schützen.
Zugleich wird die Bundesregierung aufgefordert, sich bei der EU-Kommission für eine klärende Richtlinie im selben Sinne einzusetzen.
Heute steht gilt für das Europäischen Patentamt das umgekehrte Verursacherprinzip: Der Verschmutzer wird bezahlt. Je mehr Trivialpatente das EPA erteilt, desto reicher wird es.
Ein radikaler Reformansatz bestünde darin, Patente kostenlos ohne Prüfung durch formgerechte Veröffentlichung sofort gültig werden zu lassen. Im Gegenzug dazu würden zusätzliche Hürden für Verletzungsklagen und Anreize für Nichtigkeitsklagen geschaffen. Wer ein Patent zu Fall bringt oder einengt, erhält vom Patentinhaber eine attraktive Prämie. Statt der langwierigen und unzuverlässigen amtlichen Prüfung soll eine private Berufsgruppe der Patentinvalidierer die Öffentlichkeit vor unberechtigten Patenten bewahren.
Ob und wie schnell man diese Radikalkur anstrebt, sei dahingestellt. Wichig ist das Ziel, internationale Behörden wie das Europäische Patentamt zurechenbar zu machen, zu verschlanken wenn nicht abzuschaffen. Statt fetter Behörden brauchen wir offene juristische Standards, die im Rahmen der national verankerten demokratischen Gewaltenteilung kontrolliert und ohne bürokratischen Aufwand internationalisiert werden können.
Wir bitten Sie, mit uns zusammen in den nächsten Tagen und Wochen entsprechende Vorschläge auszuarbeiten und in den Deutschen Bundestag sowie andere geeignete Entscheidungsgremien einzubringen.
Mit freundlichen Grüßen
Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V.
Linux-Verband
Linuxtag e.V.
Virtueller Ortsverein der SPD
Gesellschaft für Kybernetik e.V.
Frontsite AG
innominate AG
Intradat AG
Phaidros AG
Hartmut Pilch (Vorstand FFII e.V.)
RA Dipl.-Phys. Jürgen Siepmann (Jusitiar Linux-Verband)
Oliver Zendel (Vorstand Linuxtag e.V.)
Arne Brand (Vorstand Virtueller Ortsverein der SPD)
Dr.jur. Thomas Winischhofer (Patentrechtsexperte und Justitiar des FFII in Österreich)
Prof. Dr. Clemens H. Cap (Informatiker, Heinrich Nixdorf Stiftungsprofessor, Lehrstuhl für Information und Kommunikation, Universität Rostock)
Prof. Dr. Heinz Lohse (Vorstand Gesellschaft für Kybernetik e.V.)
Matthias Schlegel (Vorstand Phaidros AG)
Majk Kupferberg (Vorstand Frontsite AG)
Metin Dogan (Vorstand Frontsite AG)
Jens Kiefer (Vorstandssprecher Frontsite AG)
Ralf Schwöbel (Vorstand Intradat AG)
Peter Braun (Vorstand Intradat AG)
Raphael Leiteritz (Vorstand innominate AG)