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CDU/CSU und Softwarepatente
Tag der Bananen-Union

Im Europa-Parlament nahmen die CSU-Abgeordneten Dr. Joachim Wuermeling und Angelika Niebler ab November 2002 sichtbar eine Vorreiterrolle bei der Verfechtung der grenzenlosen Patentierbarkeit und maximalen Blockierwirkung von Patenten im Bereich der Software ein. Sie gefielen sich in der Pose vermeintlicher Patentexperten, die alle Anfrager darüber belehrten, dass ihre Sorgen unbegründet seien und die Richtlinie eigentlich nur der Begrenzung der Patentierbarkeit diene. Gegenströmungen innerhalb der Bundes-CDU konnten keinen Einfluss gewinnen. Bei der Abstimmung im Europa-Parlament am 24. September votierten die meisten CDU/CSU-Abgeordneten für Wuermelings Extremposition und gegen die Empfehlungen der CDU-nahen Verbände kleiner und mittlerer Unternehmen (SME Union) und der Kollegen konservativer Schwesterparteien aus anderen europäischen Ländern. Auch bei anderen Themen des Immaterialgüterrechts agieren "Experten" aus dem Europarl-Rechtsausschuss wie Wuermeling und Niebler erfolgreich als Relais der Großkonzernlobbies innerhalb der CDU/CSU.
Dr. Edmund Stoiber, der im Jahre 2000 einmal ein softwarepatentkritisches Gutachten des Rates der Regionen unterzeichnete, erklärte auf einem Microsoft-Jubiläum 2002-12 Microsoft zum "Anziehungsmagneten" des IT-Standortes Bayern und gelobte, dies durch transatlantische Treue zu honorieren. Im Münchener Stadtrat votierte kurz darauf die CSU im Mai 2003 als einzige Fraktion gegen die Einführung von Linux in der Stadtverwaltung. Diverse CDU-Papiere zu verschiedenen IT-Themen lehnen sich eng an die Vorgaben von Großindustrieverbänden an. Es gibt vereinzelt Abgeordnete in der CDU/CSU-Fraktion, die Distanz zu solchen Positionen und ein offenes Ohr für wissenschaftliche Diskussionen wahren. Die mit Internet und Informatik befassten Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU, allen voran Dr. Martin Mayer (CSU), haben indes gegenüber Softwarepatenten eine kritische Haltung eingenommen. Von Mayer stammt der einzige Antrag im Bundestag zu diesem Thema. Die Unterschrift von Dr. Edmund Stoiber steht unter einem Papier des Ausschusses der Regionen der Europäischen Gemeinschaft, welches Softwarepatente ablehnt. Unter dem Vorsitz Michael Hahns von der Jungen Union verabschiedete die Jugendorganisation der Europäischen Volkspartei im Oktober 2000 eine wohl durchdachte Resolution, welche die Patentierbarkeit von Software ablehnt. Allerdings veröffentlichte später die CDU einige (ohne Mayers oder Hahns Zutun) schludrig geschriebene Thesenpapiere, darunter ein "Strategiepapier" vom August 2001, welches die Legalisierung von Softwarepatenten mit fünfjähriger Laufzeit vorschlägt und dabei allerlei Grundbegriffe durcheinander bringt. Von der Bayerischen Staatskanzlei kam etwa zur gleichen Zeit der Vorschlag, zum Zwecke des Jugendschutzes im Internet "Sendezeiten" einzuführen. Beim EU/BSA-Richtlinienvorschlag ließ sich die CDU/CSU mit der Erarbeitung einer Stellungnahme noch Zeit. Mitte Mai stellte Dr. Mayer "Kleine Anfrage", die im wesentlichen richtige Fragen stellt. Einige patentlastige Prämissen wurden durch ein späteres Papier von Krogmann korrigiert, so dass kurz vor der Bundestagswahl die CDU/CSU zeitweilig als die neben den Grünen patentkritischste Partei erschien.
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