Patkon 2007-03-29

Developments of the Year

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Ende März versammelte sich die Patentbranche zwei Tage lang in Berlin zu einer Fest-Konferenz unter Leitung der Bundesregierung (BMJ) und der Großindustrie (BDI) statt. Beide hatten zum Zwecke der Propagagierung des EPLA ein Bündnis gebildet, dessen Scheitern auf der Konferenz offensichtlich wurde.

1 Sterile und doch spannende Patent-Feierlichkeiten

Vor der Veranstaltung schrieben wir:

Den Großteil der Veranstaltung (etwa 5-6 Stunden) nehmen jeweils halbstündige Festreden von Würdenträgern ein, deren Position in der Hierarchie des Patentwesens sie von den Niederungen der Sachkenntnis weit abhebt.  Wie üblich sind keine Wirtschaftswissenschaftler anwesend.  Unternehmen werden meist durch ihre Patentanwälte vertreten.

Dass das Patentwesen mit seinen breiten Monopolrechten und hohen Transaktionskosten die Innovation fördert, haben Wirtschaftswissenschaftler auch schon {ah url="/papiere/machlup58/":seit dem 19. Jahrhundert fast immer nur bestritten}.

Drei Europa-Parlamentarier sind anwesend.  Bei allen dreien handelt es sich um bekannte Gefolgsleute der Patentbewegung, die in ihren jeweiligen Fraktionen einen schweren Stand haben.

Ziel der Veranstaltung wird es sein, im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft für die möglichst rasche Errichtung eines Europäischen Patentgerichts zu werben, am besten in der von Bundesregierung und BDI favorisierten Form des {ah dok=epla:EPLA}, das dem Europäischen Patentamt (EPA) den größtmöglichen Einfluss sichert.  Wie die Bundesregierung in einer {ah dok=bmwi_siemens0701:Broschüre} betont, wird das EPLA insbesondere benötigt, um die Unsicherheit hinsichtlich der Gültigkeit der vom EPA erteilten Softwarepatente zu beseitigen.

Es gibt nebenbei sechs Podiumgsgespräche mit halbwegs interessanten Themen.  In den letzten drei Podien sind ein paar kritische Gelehrte anwesend.  Deren Meinungen werden vereinzelt gehört werden, aber da die Podien dicht gedrängt innerhalb von weniger als 90 Minuten parallel zueinander statt finden, geht von ihnen keine Gefahr für die Gesamtbotschaft der Veranstaltung aus.  Sie liefern lediglich (hoffentlich) ein wenig Kolorit.

Sonst wird womöglich noch die {ah url="http://de.ffii.org/wiki/AktionPatkon2007Aufruf":Aktion des FFII draußen vor der Tür} interessanter als das, was drinnen abläuft.

Die wirklich interessanten Diskussionen finden in Foren wie STOA, EPIP oder der vom FFII initiierten {ah url="http://www.eupaco.org":Europäischen Patentkonferenz EUPACO} statt, die am 15.-16. Mai in Brüssel zum dritten Mal statt finden wird.  

Diese Prognose traf zwar weitgehend zu. Dennoch war die Veranstaltung aufgrund des politischen Gewichts ihrer Teilnehmer sehr interessant. Keiner der 5 für FFII und BVMW anwesenden Teilnehmer bereute es, gekommen zu sein.

2 Tag I: 4 Festreden

2.1 Jürgen R. Thumann, Präsident des BDI

Wir prognostizierten:

Vermutlich wird der Präsident des BDI die Positionen des von Großindustrie-Patentanwälten beherrschten Patentgremiums seines Verbandes wiedergeben. S. auch http://eupat.ffii.org/akteuere/bdi/.

So war es. Thumann beschränkte sich im wesentlichen auf altbekannte dogmatische, auf deren Basis er in eindringlichem Ton die aktuelle politische Konstellation um das EPLA bewertete:

  • Geistiges Eigentum ist unser wichtigster Rohstoff
  • Wir müssen unsere Erfindungen gegen die Nachahmer aus Asien schützen.
  • Erst durch Patente entsteht ein hinreichender Anreiz zur Innovation.
  • Patente belohnen den Erfinder und informieren die Öffentlichkeit.
  • Patente müssen erschwinglich und europaweit einheitlich durchsetzbar sein.
  • Es darf nicht sein, dass Gerichte in verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich der Gültigkeit von Patenten kommen.
  • Auf Computern implementierte Erfindungen müssen genau so wie alle anderen Erfindungen patentierbar sein. Um reine Software als solche handelt es sich dabei nicht. Das Europäische Patentamt leistet hervorragende Arbeit.
  • Kulturelle Vielfalt ist ein Reichtum Europas, aber beim Patentwesen können wir uns solchen Luxus angesichts der Konkurrenz aus Asien und USA nicht mehr leisten. Wir brauchen eine einheitliche Rechtsprechung und einsprachig englische Patente.
  • Deshalb steht die gesamte Europäische Industrie einhellig hinter dem EPLA und dem Londoner Abkommen. Dies zeigt die Konsultation der Kommission von 2006.
  • Frau Zypries genießt unser volles Vertrauen, sie vertritt voll und ganz die Positionen der deutschen Industrie.
  • Leider genießt die Industrie nicht in allen Ländern so vorbehaltlose Unterstützung durch ihre Regierung. Insbesondere die Franzosen machen Schwierigkeiten.
  • Commissioner McCreevy hat, wie man in der FTD.de lesen konnte, einen neuen Versuch gestartet, die widerstreitenden Positionen doch noch zu vereinigen. Wir vertrauen ihm. Er wird gleich zu uns sprechen, ist aber leider noch nicht hier. Wir erwarten gespannt seine Rede.

2.2 Brigitte Zypries, Bundesjustizministerin

Wir prognostizierten:

Normalerweise liest Frau Zypries die Reden ab, die ihr die Patentfunktionäre ihres Ministeriums schreiben. Diesen Ministerialbeamten, die den BDI-Patentanwälten an Radikalität in nichts nachstehen, zuliebe geht sie durch dick und dünn. So hat Frau Zypries z.B. gegen ausdrückliche Vereinbarungen mit dem Bundestag in Brüssel das Europa-Parlament bedrängt, von jeglicher wirksamen Einschränkung der Patentierbarkeit von Software abzusehen.

Frau Zypries wurde diesen Erwartungen und denen ihres Vorredners in der Tat gerecht: Elemente der Rede:

  • Nur durch ein effizientes Patentsystem kann unsere Wirtschaft in Zeiten der Globalisierung konkurrenzfähig bleiben.
  • Man muss Verständnis dafür haben, dass Schwellenländer in einer gewissen Phase ihrer Entwicklung ein geringes Interesse an geistigem Eigentum haben.
  • Das gilt auch für China, aber nicht nur China ist für uns ein Problem (sic)
  • Wir wollen mit den USA zu einem gemeinsamen Patentrecht kommen. Die USA sollen den Anmeldetag zum Stichtag machen (first to file). Dafür können wir im Gegenzug die Neuheitsschonfrist akzeptieren.
  • Bundesregierung und BDI sind bei vielen Themen verschiedener Meinung, aber in der Patentpolitik ziehen wir in der Tat an einem Strang.
  • Nicht nur der BDI sondern auch die Kleineren und Mittleren Unternehmen (sic) brauchen das EPLA.
  • Nur das EPLA ist eine realistische Option, die Alternativen sind politisch nicht durchsetzbar.
  • Wir werden weiterhin unser bestes tun, um die anderen Regierungen hiervon zu überzeugen.

Danach meldete sich Thumann noch mal zu Wort, um eine Wahrheit zurechtzurücken, die Zypries zwischen den Zeilen hatte durchblicken lassen:

  • Der BDI ist die legitime Vertretung der Kleineren und Mittleren Unternehmen
  • In den Mitgliedsverbänden des BDI sind 108.000 Unternehmen verfasst. Die durchschnittliche Zahl der Angestellten dieser Unternehmen liegt unter 100.

2.3 Charlie McCreevy, EU-Kommission

Unsere Vorbemerkung lautete:

Als Anfang 2005 das Europäische Parlament einen Neustart der Softwarepatent-Richtlinie forderte, verweigerte die Kommission auf Betreiben des zuständigen Kommissars McCreevy ihm ohne Angabe von Gründen seine wohlbegründete Forderung. Auch in letzter Zeit tut sich McCreevy durch Propagierung eines völlig unbegründeten, ökonomischem Allgemeinwissen widersprechenden Glaubens an eine Schlüsselrolle von Patenten in der Wissensgesellschaft hervor. McCreevy war früher Finanzminister eines Landes, dessen Steueraufkommen zum Großenteil von amerikanischen Großunternehmen, insbesondere Microsoft, kommt und durch Steuertricks, bei denen Patente eine bedeutende Rolle spielen, in dieses Land gebracht wird.

Elemente der Rede:

  • Patente sind ein Schlüsselelement der Lissabonner Strategie ….
  • Bis vor kurzem war die Patentpolitik für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Erst in letzter Zeit habe ich gelernt, dieses Gebiet einigermaßen zu verstehen.
  • Wir haben unser bestes getan, um das EPLA durchzusetzen, aber es gibt eine Gruppe von Ländern im Rat, die diese Pläne nicht unterstützen. Diese stützen sich auf europarechtliche Bedenken, die zuletzt auch vom Europäischen Parlament geäußert wurden.
  • Wir werden einen weiteren Anlauf unternehmen, um ein EPLA-ähnliches Streitregelungssystem, welches den geäußerten rechtlichen Bedenken Rechnung trägt, im Rahmen der EU durchzusetzen.
  • Es wird sich zeigen, ob bei den Mitgliedsstaaten der Wille vorhanden ist, zu einem Ergebnis zu kommen. Wir werden unseren Teil dazu tun.

Thumann meldete sich wieder zu Wort und sprach McCreevy sein volles Vertrauen aus.

2.4 Francis Gurry, WIPO

Wir kündigten an:

Gurry versucht seit Jahren bei der WIPO, skeptische Entwicklungsländer (z.B. Brasilien, Indien) zu bedrängen, einer einheitlichen Festschreibung des Materiellen Patentrechts auf dem Stand der derzeitigen Fehlentwicklungen in den reichen Ländern zuzustimmen.

Gurry redete in Bildern, etwa dem vom Urknall und den Milliarden von Jahren, die vergehen müssen, bis sich auf dem diplomatischem Parkett der WIPO etwas bewegt. Er schien die Frustration mit Humor zu ertragen.

3 Tag I: Podiumsgespräche: kritische Stimmen gehen unter

3.1 15:00-16:30: Podien 1-3

Wir kündigten an:

Es folgen 2 Gruppen von jeweils drei gleichzeitig stattfindenden Podiumsgesprächen (Panels). Diese versprechen wesentlich lebhaftere und interessantere Diskussionen, aber man kann sich nur 2 von 6 aussuchen. Die meisten dieser Podien werden von Patent-Aktivisten geleitet und sind mit solchen bestückt, aber es gibt vereinzelt Ausnahmen.

3.1.1 Podium I: Geistiges Eigentum in Asien – auf dem Weg zu verstärkter Kooperation?

Wir kündigten an:

Teilnehmer des Podiums sind Patentfunktionäre und (Großindustrie)-Patentanwälte, darunter zwei Gäste aus China.

Es hätte interessant werden können, wenn Herr PA Langfinger von BASF dabei gewesen wäre. Herr Langfinger bezichtigt gerne “die Chinesen” besonders perfider Patentierungstaktiken und liefert damit deutschen Europa-Abgeordneten wie Jorgos Chatzimarkakis (FDP) Material für eine Gelbe-Gefahr-Rhetorik, mit der sie gerne Stimmung für patentpolitische Schnellschüsse machen.

Die Teilnehmer hielten lange Referate, so dass es kaum zu einer Diskussion kam.

Während der Referate bescheinigten sie den chinesischen Freunden, dass diese

  • in den 80er Jahren bei sich ein Patentsystem etabliert haben, welches dem deutschen ähnelt und fast in jeder Hinsicht westlichen Standards entspricht
  • ein im großen und ganzen funktionierendes System zur Durchsetzung der erteilten Patentrechte haben.

Ein paar Einzelheiten wurden bemängelt:

  • Der Zugang zum Patentanwaltsberuf ist beschränkt und nicht alle Patentanwalte dürfen ausländische Mandanten vertreten. Es ist unnötig schwierig für nicht-ansässige ausländische Firmen, ein chinesisches Patent anzumelden.
  • Luc Devigne (Eur. Kommission): Es finden Verletzungen statt, über die hier in Anwesenheit unserer chinesischen Freunde zu sprechen unhöflich wäre.

Frage von Hartmut Pilch:

  • Es gibt Patentanwälte wie Herrn Langfinger von BASF, die gerne über fiese chinesische Patentstrategien klagen. Z.B. das sie zu viel nachmachen oder dass sie zu viel patentieren. Solche Klagen haben politische Konjunktur, einige EU-Parlamentarier greifen so etwas begierig auf, um damit Stimmung für nahezu beliebige politische Vorschläge zu machen. Ich habe nie verstanden, was wirklich hinter diesen Klagen steckt. Ich hatte schon lange den Verdacht, dass so gut wie nichts dahinter steckt. Das Podiumsgespräch bestätigt diesen Verdacht. Sehe ich das richtig?
  • Ist es richtig, als Ergebnis der Gesprächsrunde festzuhalten, dass es bei der Durchsetzung von Patenten in China keine nennenswerten Defizite gibt?
  • Auch Frau Zypries sprach heute morgen von unseren “Problemen mit China”. Geht es wirklich nur um Mini-Probleme wie das der Anwaltszulassung in China?
  • Wenn es diese doch geben sollte, bitte nennen Sie Beispiele! Z.B. das Beispiel von Herrn Devigne, welches nicht in Anwesenheit chinesischer Freunde genannt werden soll, würde ich hier gerne hören. Und auch die Antwort der chinesischen Freunde. Jetzt ist die richtige Gelegenheit dafür.

Das lockte Herrn Devigne aus der Reserve. Er nannte als Beispiel lascher Rechtedurchsetzung in China einen gewissen Seidenmarkt in Beijing, auf dem seit Jahren markenverletzende Produkte verkauft werden, ohne dass die Strafverfolgungsbehörden dagegen einschreiten. Es kam aber mangels Diskussionszeit nicht mehr zu einem Zwiegespräch über dieses Thema.

3.1.2 Podium II: Innovationspolitik mit Gewerblichen Schutzrechten – Symbiose oder Spannungsfeld.

Wir kündigten an:

Wir tippen bei diesem Podium auf “Symbiose”. Oder allenfalls auf ein “Spannungsfeld”, das den Betriebswirt vor gut lösbare Aufgaben stellt.

Teilnehmer des Podiums sind Fachleute aus der Patentverwertungsbranche in Großunternehmen und Hochschulen und des Bundesforschungsministeriums (BMBF), welches die Patentverwertung in den Hochschulen vorantreibt. Winfried Büttner ist als Siemens-Patentanwalt häufig im BMJ- und BDI-Umfeld anzutreffen. Siemens hat schon vor ca 10 Jahren den Patentbereich ausgegliedert und als profit-orientiertes Unternehmen aufgezogen. Prof. Holger Ernst hat sich laut Publikationsliste vor allem mit den Techniken der Patentanalyse und Portfolioverwaltung beschäftigt, aber auch darüber hinaus mit den betriebswirtschaftlichen Methoden erfolgreicher Unternehmen beschäftigt. Wenn überhaupt dann könnte vielleicht er den BMBF-Glauben an die segensreiche Wirkung des patent-getriebenen “Technologie-Transfers” ein wenig relativieren helfen.

Dieses Podiumsgespräch muss eher öde gewesen sein. Dies erklärte jedenfalls der Teilnehmer von der FFII-Seite, der es sich anhörte. Es fehlte wohl an klaren Fragestellungen.

3.1.3 Podium III: Internationale Harmonisierung des Patentrechts – Einigung in Sicht?

Wir kündigten an:

Hier sprechen Patentamtsfunktionäre unter dem Vorsitz des WIPO-Patentvereinheitlichungs-Aktivisten Francis Gurry miteinander. Ein Sprecher der Bayer AG (vermutlich aus der Patentabteilung) wird wohl betonen, wie sehr sich “die Wirtschaft” ein Weltpatent wünscht. Ein Weltpatent hätte auch den Vorteil, dass die hier versammelte Patentgemeinde es ganz alleine, ohne Störung durch Parlamente, gestalten könnte.

Im Moment liegt uns kein Bericht über dieses Podiumsgespräch vor. Es fand im großen Saal statt und könnte dank der Teilnahme von Akteuren wohl das interessanteste der ersten Dreier-Gruppe gewesen sein.

3.2 17:00–18:00: Podiumsgespräche 4-6

3.2.1 Podium IV: KMU und Patente –- ein Erfolgsweg ?

Der Vorsitzende des Podiums, Klaus-Heiner Lehne, hat sich als Pro-Patent-Aktivist der CDU/EVP im Europäischen Parlament einen Namen gemacht. Während der Softwarepatent-Auseinandersetzung 2005 lehnte er sich eng an die Positionen der Patentabteilung von Siemens an und erklärte zugleich in der Abschlussrede einer von ihm selbst moderierten Veranstaltung, dass die KMU in seinem Heimatwahlkreis nichts so sehr wie eine Einschränkung der Patentierbarkeit “computer-implementierter Erfindungen” fürchten.

Das portugiesische Patentamt INPI.pt, das hier vertreten ist, führte 2004 eine Umfrage durch, bei der sich zeigte, dass sämtliche teilnehmenden portugiesischen Unternehmen der vom INPI befürwortete EPA-Praxis der Erteilung von Softwarepatenten ablehnend gegenüber standen. Daraus schloss INPI.pt, dass die Unternehmen Portugals besser aufgeklärt werden müssen, und vertrat im EU-Ministerrat weiterhin seine Politik der Befürwortung von Softwarepatenten gemäß dem an die EPA-Praxis angelehnten Richtlinienentwurf.

Ähnlich verhielt sich das BMWi, dessen Vertreter Reiner Jäkel hier diskutiert.

Unternehmen auf dem Podium:

  • Hermes Softlab aus Slowenien, sehr expansiv, mit 600 Mitarbeitern recht gross für ein IT-KMU, keine Patente
  • HTE AG Heidelberg, Verfahrenstechnik/Materialforschung, 80 Mitarbeiter, 150 Patente, darunter vereinzelt Softwarepatente
  • VERAX AB, Schweden, Maschinenbau (Flansche), keine Infos über Mitarbeiter/Umsatz, 22 Patente hauptsächlich im Mechanik-Bereich

Welche Positionen diese Unternehmen vertreten, wird davon abhängen, vom Leiter welcher Abteilung sie vertreten werden.

3.2.2 Podium V: Patentschutz in Zukunftstechnologien – zukunftstauglich oder anpassungsbedürftig?

Wir kündigten an:

“Zukunftstechnologien” sind hier offenbar ein Wort für “Software”. Durch die Wortwahl (“Technologie”) wird bereits die Antwort auf die Frage vorweggenommen, ob es sich bei Software um Leistungen auf einem Gebiet der Technik (field of technology) nach Art 27 TRIPs und folglich um patentfähige Erfindungen nach Art 52 EPÜ handeln soll. Eventueller Ärger, den es auf diesem Gebiet zu geben scheint, wäre durch “Anpassungen” aus dem Weg zu räumen, so die Vorgabe des Veranstalters.

Drei der Beteiligten dieses Podiumsgesprächs haben sich in der Softwarepatent-Debatte engagiert. Michel Vivant und Christine Godt haben dabei eher gegen die Patentierbarkeit von Software plädiert. Wolfgang Tauchert hat indes als eine Art Vordenker/Chefideologe des Deutschen Patentamtes seit Mitte der 90er Jahre in engem Einvernehmen mit dem BMJ die Patentierbarkeit von Software nach dem Vorbild des EPA vorangetrieben. Von dem Vertreter des finnischen Patentamtes kann man ähnliches erwarten. Die finnischen Patentbeamten fielen 2004 ähnlich wie die deutschen durch besondere Verbissenheit in dieser Frage auf.

3.2.3 Podium VI: Mehr Rechtssicherheit bei der Patentdurchsetzung

Hier finden sich wieder Patentfunktionäre und Patentjuristen unter sich. Interessant ist das Podium dennoch, da einige der Beteiligten, wie z.B. der vorsitzende BGH-Richter Melullis, der britische Richter Nicolas Pumfrey und der Patentpolitiker der europäischen Kommission Erik Noteboom in den hier anstehenden Fragen über einen gewissen Einfluss verfügen. Es dürfte vor allem um die Pläne auf europäischer Ebene (EPLA und EU-Gemeinschaftspatent) gehen. Thierry Sueur wird wohl, ähnlich wie sein Bayer-Kollege in Podium III, betonen, wie dringend die von ihm vertretene europäische Industrie das EPLA braucht. Als Patentanwalt eines Chemie-Großunternehmens setzte sich Sueur in den letzten Jahren intensiv für Softwarepatente ein. Wie so oft hatte dieser Einsatz wohl mehr mit patentanwaltlichen Glaubensüberzeugungen als mit Unternehmens-Interessen zu tun. Er schreibt dem MEDEF (französisches Pendant des BDI) seine Patentpolitik und scheint seit Jahren als Vollzeit-Lobbyist alle Konferenzen zu besuchen. Ähnliche Beiträge dürfte man auch von Bertram Huber, Patentchef der Robert Bosch AG, zu erwarten haben, auch wenn seine Vorschläge zur freiweilligen Selbstkontrolle der Patentinhaber vielleicht auf negative Erfahrungen mit ausuferndem Patentstreit schließen lassen. Christoph Keussen von der Patentanwaltskammer hat vielleicht etwas weniger Interesse an einem europäischen Zentralgericht als die beiden Kollegen aus der Großindustrie, wird sich diesem Anliegen aber kaum in den Weg stellen.

Der Vertreter es französischen Patentamts dürfte zwar auf dem Gebiet der Patentdurchsetzung weniger kompetent sei. Vielleicht kommt er, um die Position der französischen Regierung im Ministerrat, die ja auch typischerweise vom französischen Patentamt formuliert wird, ein wenig zu erläutern. Diese Position bereitet derzeit der EPLA-Lobby, zu der die Bundesregierung und der BDI gehören, große Schwierigkeiten. Dafür gefällt sie aber der Kommission. Wer die Untertöne heraushören und deuten kann, wird somit dieses Podiumsgespräch nicht langweilig finden.

4 Tag II: 3 Festreden

4.1 Ernest-Antoine Seilière (Business Europe = Unice)

Der Vertreter des Dachverbandes, in dem BDI und MEDEF Mitglieder sind, wird vermutlich eine von seinem Kollegen Thierry Sueur (s. Podium VI) geschriebene oder redigierte Rede halten, ähnlich wie sein Kollege Thumann vom BDI das am Vortag tat. Botschaft:

  1. l’Industrie c’est moi
  2. die Industrie braucht schnellstens ein Einheitspatent

Interessant wird, wie er sich zu den Initiativen seiner Regierung im EU-Rat stellt.

Vermutlich wird er eher die Pro-EPLA-Position des BDI und der Bundesregierung vertreten, um damit Druck auf die französische Regierung auszuüben, (damit die bisherigen Software-Wackelpatente endlich europaweit einheitlich durchgesetzt werden können und nicht etwa ihre Antragsteller mit Prozessrisiken belasten –- das wird er aber nicht sagen).

4.2 Alain Pompidou (Präsident des Europäischen Patentamts)

Der Sohn des früheren französischen Staatspräsidenten hat während seiner 2.5 Jahre langen Amtszeit vor allem bei seinen früheren Brüsseler Kontakten Lobby-Arbeit für das EPLA, für das Londoner Abkommen und allgemein für das Patentwesen betrieben. Von der Materie selbst scheint er nicht sehr viel zu verstehen. Die Prüfer des Europäischen Patentamtes haben kürzlich ihren Streik speziell mit seiner Politik begründet.

4.3 Lutz Diwell (BMJ-Staatssekretär)

Kurze Abschlussrede eines neuen Staatssekretärs, der schon einigen Bloggern negativ aufgefallen ist, sich aber zum Thema Patentwesen bislang nicht zu Wort gemeldet zu haben scheint.

5 Tag II: 2 Stunden Podiumsdiskussion unter führenden Patentaktivisten

Die am wengisten parteiische Teilnehmerin in dieser Runde ist wahrscheinlich Alison Brimelow, designierte Präsidentin des Europäischen Patentamtes. Sie hat sich als Verwalterin des britischen Patentamtes einen Namen gemacht und ansonsten schon manchmal unorthodoxe Meinungen vertreten. Sharon Bowles ist für die Liberalen im Europa-Parlament das was ihr Kollege Klaus-Heiner Lehne für die Konservativen ist: die Speerspitze der Patentlobby, Initiatorin von Anträgen für Softwarepatente, EPLA und dergleichen innerhalb der Fraktion. Erika Mann wiederum hat seit dem Frühjahr 2003 bei den Sozialisten/Sozialdemokraten eine ähnliche Rolle inne. Sie bekehrte sich plötzlich vom Paulus zum Saulus und zog damit innerhalb der Fraktion ein gewisses Misstrauen auf sich, fand aber in Arlene McCarthy eine Weggefährtin. BDI und BMJ haben aus dem Europa-Parlament wohl nur ihre Gefolgsleute nach Berlin einladen. Thierry Stoll machte innerhalb der Europäischen Kommission durch besonders unverhohlene Befürwortung von Softwarepatenten auf sich aufmerksam. Klaus-Dieter Langfinger, Patentmann von BASF, ist Stichwortgeber für Abgeordnete im EP, die mit der Gelbe-Gefahr-Rhetorik Kurzschlussreaktionen zugunsten eines expansiveren Patentwesens begründen wollen, s. oben. Christian Diemer von Heitkamp & Thumann ist uns nicht bekannt, dürfte wohl in deren Patentabteilung arbeiten.

6 Unterlagen

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© 2007-03-27 Hartmut PILCH